
Februar und März: Japan
Das Jahr beginnt bei mir in der Erinnerung so richtig erst im Februar. Vorher war ich damit beschäftigt, alle meine Hausarbeiten zu schreiben und Seminare abzuschließen – die letzten in meinem Bachelorstudium.
Mitte Februar ging es dann 3 Wochen nach Japan. Ich wollte nachholen, was ich im März 2011 verpasst hatte. Diesmal ging ich aber nicht zu einer Sprachschule, sondern reiste durch das Land. In Nara wurde ich in ein Tofu-Restaurant eingeladen, in Fukuoka aß ich mitten auf dem Land in einer deutschen Bäckerei Brezeln, die gar nicht mal so teuer waren und nahm an einer Abschlussfeier japanischer Germanisten teil. In Kumamoto schließlich verbrachte ich 3 Tage, um einen guten Freund zu treffen, mit dem ich bis dahin nur E-Mails ausgetauscht hatte. Wir fuhren nicht nur auf einen aktiven Vulkan und badeten an einem Tag gleich zwei Mal in heißen Quellen, sondern schließlich probierte ich nach gutem Zureden sogar Kugelfisch. Zuletzt traf ich in Ôsaka noch einen Japaner, den ich über Twitter kennengelernt hatte – und auch hier war die Verbindung zwischen uns wieder die Literatur.

Pünktlich zum Frühling zurück in Deutschland.
April bis Juli: Berlin
Dreieinhalb Monate war ich in Berlin und habe in einem Verlag gearbeitet. Diese Monate habe ich recht stressig in Erinnerung, da ich gleichzeitig noch weiter (von zu Hause aus) einen Job an der Uni gemacht habe und für eine letzte Prüfung lernen musste, die Ende Juni stattfand. Berlin, das ist aber auch die Stadt mit der Klappentexterin, mit der ich mich unzählige Male zum Sushiessen traf. Sie hat immer mindestens ein Buch dabei und dutzende Lesetipps im Kopf.

In Berlin wohnte ich in einer großen Altbauwohnung zusammen mit einer Frau und ihren Kindern. Als die Familie in den Sommerurlaub fuhr, nutzte das meine japanische Freundin, um mich für eine Woche zu besuchen. Sie lebt schon 6 Jahre in Deutschland, war aber noch nie in Berlin! Wir fanden schnell einen Laden, der zwar direkt an einer schmuddeligen großen Straße liegt und von außen nicht sehr appetitanregend aussieht, aber sehr leckeren und günstigen Fisch serviert. Richtig lebendig wurde es dort erst immer am 11 Uhr abends.
August: Arbeit und noch ein wenig Sommer

Im August habe ich mir hauptsächlich mit Uni-Jobs mein Portemonnaie etwas aufgebessert und saß dazu drinnen am Computer und habe transkribiert. Nachdem ich es von Berlin aus bis nicht ganz bis zur Ostsee hinauf geschafft habe (immerhin kann ich zu meiner Verteigung sagen, dass ich nur fast 8km entfernt von der Küste bei der Verwandtschaft zu Besuch war!), habe ich dort dann noch Wasser gesehen, wo man sonst eher Berge erwartet: In Bayern. Die sommerlichen Fotos habe ich an der Donau und am Chiemsee geknipst.
September und Oktober: Neubeginn
Noch zu Beginn des Jahres war ich mir nicht genau sicher, wie es nach dem Bachelor weitergehen sollte (einen Master wollte ich aber auf jeden Fall irgendwo machen), dass ich dann aber pünktlich zum Semesterstart auch noch in einem Verlag arbeiten würde, hätte ich zu Anfang des Jahres noch nicht gedacht. Ich bin nun im Vertrieb eines Fachverlages mit Schwerpunkt auf Segel-, Motor- und Radsport und fühle mich dort genau an der richtigen Stelle, denn ich mache das, was ich bisher schon gerne gemacht habe: Online-Kommunikation, Microsites (sogar ein Bloglayout!), Reportings und kleinere redaktionelle Beiträge.
November und Dezember: Japanisch
Schließlich habe ich nach langer Pause auch wieder mit dem Japanischlernen angefangen und nehme momentan 1-2 Stunden pro Woche. Meine aktuelle Japanischlehrerin habe ich so kennengelernt: Ein Freund in Kumamoto kennt Germanisten in Fukuoka, bei denen ich auf der oben erwähnten Germanistenparty war. Dort wiederum habe ich eine Doktorandin kennengelernt, die eine Freundin hat, die zurzeit in Bielefeld studiert. Das beweist mal wieder: Die Welt ist ein Dorf!
Mit dem Unterricht habe ich auch neue Motivation bekommen, was das Lesenlernen angeht. Für ein Seminar beschäftige ich mich gerade mit der japanischen Anti-AKW-Bewegung. Nachdem eine Freundin mir in Tokyo einen Artikel aus der Bibliothek kopiert hatte und ich diesen sogar vollständig durchgearbeitet hatte (!), traue ich mich nun auch an mehr japanische Literatur heran und habe mir zur Anti-AKW-Thematik und zur Berichterstattung über Fukushima einige Bücher aus Japan bestellt.

Lesestoff über die Weihnachtsferien
Und so endet das Jahr irgendwie doch wieder fast, wie es angefangen hat: Mit Japan. Nur dass sich eben dazwischen doch so einiges verändert hat.