Welche Bücher sind bzw. waren in diesem Sommer besonders lesenswert? Ich habe dazu vier Buchblogger befragt und ihre ganz persönlichen Leseempfehlungen gesammelt.
Simone / Die Klappentexterin
Sommerlügen (Bernhard Schlink):
Im Juli ist Bernhard Schlinks Erzählband „Sommerlügen“ erschienen. Wie der Titel schon sagt, dreht sich in den sieben Erzählungen alles um den Sommer und Lügen. Menschen, die sich selbst und andere betrügen, nur um der Wahrheit auszuweichen. Es könnte unangenehm werden, aber das soll es ja nicht, also wird gelogen und dass auf unterschiedlichste Weise. Die Geschichten variieren. Teilweise sind sie ruhig und streckenweise verrückt. Es ist ein regelmäßiges Up and Down, das davon abhält, sich zu langweilen. Ganz im Gegenteil, es zieht einen immer mehr hinein.
Darum empfehle ich das Buch:
Bernhard Schlink hat schlicht geschrieben und ist dabei sehr sensibel vorgegangen. Seine Erzählungen sind alle von einer sanften Melancholie umgeben. Das mag ich sehr. Sie erinnern mich an Tage, die mit Nieselregen beginnen und sich in Dauerregen verwandeln. Man fröstelt und spürt so eine bestimmte Sehnsucht nach Wahrheit und Harmonie. Doch die kommt nicht. Genau das zeichnet die Erzählungen aus. Stattdessen bleibt man am Ende allein mit der Frage: Vergeben oder bestrafen?
Nina / Libromanie
Zwei an einem Tag (David Nicholls)
20 Jahre. 2 Menschen. 15. Juli 1988. Emma und Dexter, zwei eigentlich füreinander bestimmte Menschen, begegnen sich mit zwanzig zum ersten Mal. Schon am nächsten Tag trennen sich ihre Wege. Wo werden sie am 15. Juli ein Jahr später sein und wo das Jahr danach? Werden sie zusammenkommen?
Darum empfehle ich das Buch:
Lovestories sind eigentlich so gar nicht mein Ding. Was andere romantisch finden, ist für mich ganz schrecklicher Kitsch. »Zwei an einem Tag« ist jedoch vielmehr Lebens- statt Liebesgeschichte. Emma und Dexter sind so echt, so fassbar mit all ihren Fehlern, dass man kaum glauben mag, dass sie nur auf dem Papier existieren. David Nicholls schreibt pointiert, leicht und zugleich schwermütig, amüsant und gleichzeitig tieftraurig – und trifft damit genau ins Schwarze. Ohne Schmalz, ohne rosa Wolken, aber mit ganz viel Gefühl, sodass die Tränen irgendwann fließen, ohne dass man es merkt. Genau so wie es sein sollte.
Dorota / Bibliophilin
Generation A (Douglas Coupland):
Es ist das Jahr 2024 und die Bienen sind längst ausgestorben. Eines Tages werden 5 Menschen auf der ganzen Welt von einer Biene gestochen und die Welt steht Kopf. Nach vielen Untersuchungen lässt ein Forscher die Protagonisten auf eine Insel bringen, um sie dort Geschichten erfinden und sich gegenseitig erzählen zu lassen. Mit jeder Erzählung lernt man die Welt, in der die “Gestochenen” leben, besser kennen, und die Lösung des Rätsels um die ausgestorbenen Bienen rückt immer näher.
Darum empfehle ich das Buch:
Spannend geschrieben ist “Generation A” eine Liebeserklärung an die Literatur und an das Leben. Das Buch enthält viele Wahrheiten über Menschen, ihre Zukunft, aber auch Vergangenheit. Die Kunst von Coupland, Geschichten zu erzählen, ist einfach einzigartig und humorvoll. Man kann “Generation A” als einen Episodenroman lesen, in kleinen Stückchen, die so gut verdaulich sind wie feines Essen. Man kann sich allerdings auch das ganze Buch “reinziehen” wie Solon. Aber Achtung – es macht süchtig!
Flattersatz / aus.gelesen
Nächsten Sommer (Edgar Rai):
Felix und seinen Freunden kommt das Haus in Südfrankreich gerade recht. sie haben den Platz in ihrem Leben noch nicht gefunden und auf der Fahrt in den Süden mit ihrem alten, klapprigen VW-Bus in die Sonne begegnen sie all den Fragen, über die sie zu Hause hinweggehen.
Darum empfehle ich das Buch:
Es ist ein lupenreines Roadmovie, nie langweilig, aber auch nicht oberflächlich. Eine Reise in den Sommer, in die Sonne, aber auch eine Erkundung der eigenen Seele, umrahmt von etlichen Abenteuern. Flott und unterhaltsam geschrieben mit sympathischen Figuren, in denen man sich jederzeit selbst wiedefinden kann. Ein richtiger Lesespaß mit nachdenklichen Momenten.
Meine Empfehlung
Am Meer ist es wärmer (Hiromi Kawakami)
Obwohl Keis Ehemann schon vor 13 Jahren spurlos verschwand, sucht sie immer noch nach ihm. Seine Spur führt sie bis an einen kleinen Ort am Meer, in dem sie wie durch einen Strudel in eine fremde Welt gezogen wird, in die ihr Mann verschwunden zu sein scheint.
Darum empfehle ich das Buch:
Ruhig, leicht melancholisch und wunderbar tröstend hat Kawakami schon immer erzählt. In diesem Roman kombiniert sie aber erstmals naturalistisches und surrealistisches, ruhiges und dynamisches Erzählen. Die surreale Welt, in die Kei abdriftet, lässt sich mit fantastischen Welten Murakamis vergleichen. Kawakami kopiert ihn aber nicht, sondern schafft etwas Eigenständiges.
Und wie sieht es mit dir aus? Was ist deine Buchempfehlung für den Sommer 2010?




