28. April 2011

Nicht immer nur Reclam! Schöne Klassiker-Ausgaben

Nicht immer nur Reclam! Schöne Klassiker-Ausgaben Coverbild

In der Schule oder Universität wird bei Klassikern der Literatur meist auf Reclam zurückgegriffen. Es gibt aber auch gute Alternativen, die zwar ein paar Euro mehr kosten, dafür aber auch schöner und praktischer sind.

Je nachdem, zu welchem Zweck ihr das Buch kauft, lest oder verschenkt, kann man in unterschiedliche Lesetypen und die dazu passenden Klassikerausgaben unterscheiden.

Reclambuecher

Typ 1: Ich muss das Buch lesen und brauche es billig!

Reclam-Hefte sind billig und handlich, dafür ist die Schrift aber auch klein und der schmale Rand um den Textblock erschwert die Leserlichkeit. Was mich persönlich am meisten an Reclam-Heften stört, ist, dass durch den engen Textsatz überhaupt kein Platz für Notizen bleibt – wenn ich mit einem Text arbeiten muss, möchte ich mir auch Notizen machen! Oft haben die Reclam-Ausgaben aber den Vorteil, dass die Texte auf wissenschaftlich anerkannten Ausgaben basieren. Wer also für die Schule oder Universität mit einem Text arbeiten muss, kann sich auf diese Textgrundlage verlassen.

Vergleich der Schriftgrößen

Auf dem Bild sieht man im Vergleich unten einen Auszug aus einem Reclam-Heft, oben aus einem Suhrkamp-Buch, das ich als nächstes vorstelle. Am Rand gibt es bei diesen Büchern genügend Platz und auch die Zeilen drängen sich nicht so dicht aneinander, sodass das Lesen angenehmer ist.

Bibliothek Suhrkamp

Typ 2: Ich möchte mit dem Text arbeiten!

Die Suhrkamp BasisBibliothek ist in der Regel die Ausgabe, auf die ich zurückgreife, wenn ich mir ein Buch für die Universität kaufen muss: Sie ist von außen schon ein wenig ansprechender – bunt statt immer nur gelb. Ihr größter Vorteil aber ist, dass sie einen breiten Rand für Anmerkungen besitzt. Auf diesem Rand findet man außerdem Erklärungen und Verweise zu schwierigen Wörtern und auch im Text selbst sind wichtige Stellen markiert und am Ende erläutert. Einen guten Einstieg in die Interpretation eines Textes bietet der Anhang, der Erläuterungen zur Werkentstehung, zum Autor und zum Forschungsstand enthält.

Die Suhrkamp BasisBibliothek erleichtert also nicht nur das Textverständnis schon beim Lesen, sondern bietet auch noch Material für eine erste Vorbereitung auf ein Referat oder für die Themenfindung für eine Hausarbeit.

Fischer Klassik Ausgabe

Typ 3: Ich liebe schöne Bücher und lese in meiner Freizeit!

Zuletzt habe ich auch noch einen Buchvorschlag für alle Bibliophilen, die den Text einfach nur lesen wollen, ohne damit zu arbeiten. Die Ausgaben von Fischer Klassik sind nicht nur äußerlich wunderschön gestaltet, sondern auch im Vergleich zu Reclam und Suhrkamp gar nicht so viel teurer (Preisvergleich unten). Das Schriftbild ist sehr augenfreundlich und am Ende des Buches findet sich in jedem Buch der entsprechende Eintrag aus Kindlers Literatur Lexikon.

Bisher ist das Angebot der Suhrkamp BasisBibliothek und der Fischer Klassik Reihe kleiner als das von Reclam, es erscheinen aber immer wieder neue Titel.

Preisvergleich

Reclam Suhrkamp Fischer Klassik
Rainer M. Rilke: Malte Laurid Brigge 5,80 € 6,50 € 7,00 €
Theodor Fontane: Effi Briest 4,60 € 6,00 € 7,50 €
Franz Kafka: Der Prozess 5,00 € 9,00 € 7,00 €

Autorin des Artikels

Friederike gründete Blauraum im Juli 2010. Neben Blauraum betreibt sie außerdem einen Blog über japanische Literatur.

17 Responses to “Nicht immer nur Reclam! Schöne Klassiker-Ausgaben”

  1. Aber die Reclam-Hefte passen in jede Hosentasche. Jetzt fehlt dann nur noch der Vergleich mit dem Online-Angebot – die Bücher sollte es ja gratis auf Spiegel online/Gutenberg.de geben. Das spart Geld und man hat es stets griffbereit. Gut, ein richtiges Buch ersetzt es natürlich nicht. Aber wer mal schnell reinblättern will, kann das jetzt machen – ohne Kosten und Aufwand. Und wenn man jetzt noch die ebooks miteinbezieht, dann werde ich jetzt wohl die rote Karte bekommen, oder? ;-)

    By the way: Die Fotos sind klasse. Der Blog sieht mir sympathisch aufgeräumt aus.

  2. Friederike sagt:

    Ja aber bei den kostenlosen Onlineausgaben fehlen ja gerade die Erklärungen. So Bücher wie Heinrich von Ofterdingen oder Die Judenbuche versteht man nicht so ohne weiteres, möchte ich mal behaupten.

    Dann noch ein Einwand, der dir wahrscheinlich kleinlich vorkommt: Die Onlinetexte sind nicht immer die edierten Texte bzw. ich finde es ist nicht klar, welcher Ausgabe sie nun genau folgen. Suhrkamp und Co. basieren meist auf der Historisch-kritischen Ausgabe – wenn man nur normal “liest” ist das egal, wenn man aber mit dem Text arbeitet, kann es schon entscheidend, sein, wenn nur ein Wort abweicht.

    Also ich finde Onlinetxte auch praktisch (gerade auch wenn man nach bestimmten Begriffen in den Texten suchen will), aber wenn man sich länger mit einem Buch beschäftigt ist eine Printausgabe einfach komfortabler.

  3. Antonie sagt:

    Also ich bin auch ein Freund der schönen Bücher und dann ist es mir auch egal wieviel sie mich kosten – schlussendlich zählt doch die Qualität und nicht das Preisleistungsverhältnis! :-)

    LG Antonie

  4. Friederike sagt:

    Wenn es danach ginge würde ich mir auch nur die ledergebundenen Manesse-Bücher kaufen, aber das geht leider auf Dauer nicht, wenn man viel liest. Ich brauch ja auch noch Geld für Essen und Kleidung ;)

  5. nantik sagt:

    Nachdem ich mich jetzt genügend an diesen wunderschönen Bildern sattgesehen habe, kann ich auch endlich einen Kommentar abgeben. Klar, Reclam verbindet man meistens mit Schule und Studium, aber es soll tatsächlich Menschen geben, die diesen Verlag mit der Zeit liebgewonnen haben und da ganz freiwillig einkaufen. Nimm mich als lebendes Beispiel. Vor allem im Bereich Theaterstücke ist Reclam recht praktisch – mal ganz davon abgesehen, dass man einige Dramen auch nur dort bekommt. Inzwischen habe ich meinen gelben Theatermeter, der hier in einem Regal steht, richtig lieb gewonnen. Mal ganz davon abgesehen, dass es Reclam auch in orange (Originalsprache mit zusätzlicher deutscher Übersetzung), rot (nur Originalsprache) blau (Lektüreschlüssel etc. für Schüler), grün (Interpretationen, Quellentexte, Erläuterungen) und magenta (Sachbücher) gibt. Nicht zu vergessen die ganz alten Reclams, die noch beige waren. Okay, so gelb ist mein Theatermeter dann doch nicht… ;-)

  6. Friederike sagt:

    Damit hast du jetzt das erste Plädoyer für Reclam abgegeben. Vielleicht mag ja noch wer die Hefte verteidigen? ;)

  7. Laura sagt:

    Die Fischer-Klassik-Ausgaben sind mir die liebsten! Scheinbar sind sie aber allgemein nicht so gefragt, in unserer Universitätsbuchhandlung sind sie kistenweise auf 3 € reduziert…besser für mich: hab mich neulich erst gründlich mit neuen Klassikern eingedeckt :-D

  8. Also ich werde kein Plädoyer für Reclam abgeben – sorry. Ich brauch einfach ein gebundenes Buch in der Hand. Ich habe mich während meines Germanistik-Studiums auf Antiquariate verlassen oder habe mir die Pflichtlektüre einfach schenken lassen. Übrigens: super schöne Fotos :)

  9. Liebe Friederike,
    zunächst einmal: Das sind wieder großartige Fotos! Nun den Büchern. Reclam verbinde ich nicht mit der Schule, weil wir für klassische Literatur die Hamburger Lesehefte verwendet haben. Die fand ich immer hochgradig hässlich und habe all die anderen Schüler beneidet, die glückliche Besitzer der kleinen gelben Bücher waren. Deshalb ist wohl eine besondere Beziehung zu den Büchern entstanden. Also ist hier das Plädoyer. Ich mag das Praktische und Schlichte an den Büchern sehr. Arbeiten muss ich ja mit den Werken nicht mehr. Und wenn, dann würde ich sie wohl aus den besagten Gründen wählen, auch weil sie sehr preiswert sind. Aber ich kann nicht abstreiten, dass ich die Klassiker Reihe von Insel sehr schätze. Die Fischer Klassiker Reihe sagt mir irgendwie nicht so zu. Insgesamt scheinen diese Ausgaben – wie bereits erwähnt – wirklich nicht sehr beliebt zu sein, denn ich sehe sie ebenfalls oft gemängelt. Woran mag das wohl liegen? Gibt es am Ende doch noch zu viele Reclam-LeserInnen?

    Herzlichst,
    Klappentexterin

  10. Friederike sagt:

    Die Hamburger Lesehefte mag ich auch nicht – deshalb habe ich sie erst gar nicht erwähnt ;) . Die sind ja wirklich nur noch in “Heftform”. Ich habe auch viele Klassiker Hefte nur als “Mängelexemplar”. Vielleicht ist die Konkurrenz einfach zu groß, wie du schon sagtest? Vielleicht liegt es aber auch bei manchen Exemplaren, z.B. zu mittelalterlichen Texten an den Textausgaben selbst. Bei z.B. den Büchern von Jane Austen habe ich gehört, die Übersetzung bei Fischer soll nicht so gut sein.

  11. Nomadenseele sagt:

    Eine gute Alternative sind die Hamburger Lesehefte: Teilweise billiger als Reclam und schöner. Ups, gerade gelesen, dass du die auch nicht magst. Reclam verbinde ich auch immer damit, Texte lesen zu müssen.

    Dabei kommt Reclam in der Bewertungen gerade bei altsprachlicher Litertur immer mit *wissenschaftlich korrekt in den Übersetzungen* weg. De Gruyter zwar auch, aber die nehmen für ein Buch auch mal 50 Euro und mehr.

  12. Ada Mitsou sagt:

    Die Hamburger Lesehefte finde ich rein optisch auch ganz schrecklich!
    Mal abgesehen davon, dass es eben Hefte sind und sie sich nicht wie Bücher anfühlen.

    Reclam verbinde ich mit Schule, was nicht grundsätzlich schlecht ist, allerdings bin ich kein Freund von so kleiner Schrift. Das ist also ein Nachteil. Allerdings finde ich das Format praktisch und die einheitliche, schlichte Umschlaggestaltung passt in meinen Augen gut zum Genre. Das wirkt eben klassisch ohne Schnörkel und Extras.

    Neuerdings (naja, so seit einem Jahr ungefähr) mag ich jedoch die Fischer Klassik Ausgaben am allerliebsten! Davon hätte ich gerne alle Bände, weil ich die Aufmachung einfach toll finde! Bis jetzt habe ich allerdings nur drei (Tom Sawyer, Moby Dick und Das Dschungelbuch). In einer Reihe sehen die Bücher sehr ordentlich, aber keineswegs langweilig oder verstaubt aus und genau das gefällt mir daran.

  13. Hallo zusammen,
    ich habe in meinem Bücherschrank noch eine Reihe aus Studienzeiten entdeckt: Die Bibliothek der Erstausgaben des dtv-Verlages!
    http://www.bibliothekdererstausgaben.de/titel.cfm
    Obwohl es Taschenbücher sind, sind sie doch ganz ansehnlich. Des Weiteren haben sie Daten zu Leben und Werk des Schriftstellers, ein Nachwort zur Ausgabe und ein Glossar. Die schwarze Bände beruhigen vielleicht ein wenig das Augenlicht bei dem vielen GELB ;-) )

  14. Namesi sagt:

    Über die Jahre hat sich bei mir einiges an Reclam angesammelt. Viele der zerlesenen kleinen Bändchen mit der winzigen Schrift stammen aus der Schulbibliothek. Damals (1971 etwa) hatte ich wohl vergessen, sie wieder abzugeben. Du hast recht. Die Bändchen erinnern mich an den Schullesezwang und an das damals mulmige Gefühl vor dem Unterricht, sie nicht gründlich oder gar nicht gelesen zu haben. Bekomme ich heute nach Jahrzehnten Appetit, Versäumnisse von damals nachzuholen, merke ich, dass mir die Schrift für ein entspanntes Lesen zu klein ist.

  15. Nomadenseele sagt:

    Anaconda hat auch viele Klassiker für oft 2-4 Euro, die zudem hübsch gestaltet sind.
    http://www.anacondaverlag.de/

  16. Julian sagt:

    Ach ja, die Heftchen von Reclam… Die kleinen Gelben haben mich im Deutsch LK zwei Jahre lang verfolgt. Schrecklich. Mit ihnen zu arbeiten war immer eine Qual. Notizen musste ich auf einen extra Block schreiben und vom Markieren mit dem Marker will ich mal gar nicht anfangen. Da hatte ich wohl zu zitterige Hände und habe stets zwei Zeilen statt einer markiert… *hust*
    Aber ganz abgeneigt bin ich Reclam jedoch nicht. Wenn man sich nicht an der kleinen Schrift stört und nicht dazu neigt in seine Bücher zu schreiben, sind sie sehr praktisch. Gerade im Bus oder auf der Zugfahrt passen die kleinen Hefte in jede Tasche und sind leicht verstaut! Für zu Hause würde ich aber auch eher eine Fischer oder Suhrkamp Ausgabe bevorzugen.

  17. So einige Meinungen sind hier ja bereits zusammengekommen. Nun muss ich auch … mich erinnern die Reclamhefte ebenso wie die Hamburger Lesehefte auch sehr an Schule (bei uns war das je nach Lehrer und Werk gemischt) – das Problem damals war, das man ja gemeinsam mit dem “Buch” gearbeitet hat und daher gezwungen war, eben diese Ausgabe zu kaufen, sonst gab es einfach nur Ärger. Heute sehe ich gerade bei Klassikern nicht ein für Reclam Geld auszugeben, da antiquarisch (siehe @Bücherliebhaberin) das meiste – auch günstig – zu haben ist. Wenn man nun Texte liest, die es nur bei Reclam gibt (welche wären das denn bspw.?) dann bleibt einem ja nichts anderes… die Fischer oder dtv finde ich im Übrigen auch noch eine schöne Alternative (wenn sie denn dort verfügbar sind)

    Was das “müssen” angeht, wäre noch zu bemerken, das man sich antiquarisch einen gebundenen Klassiker kaufen kann – der sich m.E. auch viel besser liest, eben wegen des höheren Zeilenabstands, des besseren Satzes, mehr Steg etc. – und nach dem lesen wieder verkaufen. Das könnte noch günstiger sein als Reclam (das man ja letztlich nicht mehr verkaufen kann, sondern nur noch wegwerfen) wobei man dann natürlich nicht reinschreiben darf… alles schwierig… ich für meinen Teil, liebe schöne Bücher, handwerklich gut gemacht (z.B. Kein & Aber) und habe auch bei Weitem mehr Freude am Lesen. Aber letztlich: Jedem das Sein!

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